Aus Flachs wird Leinen

Flachs ist eine der ältesten Nutzpflanzen, die angebaut werden. Ägypter, Griechen und auch unsere Vorfahren, die Kelten, verwendeten diese Pflanze, um daraus Leinenstoffe für die Kleidung herzustellen. Aber bis dahin war es ein langer und arbeitsreicher Weg...

Die einjährige Planze musste erst gesät werden. Und zwar üblicher Weise am 100. Tag im Jahr. Um den Juni herum blühen die Flachsfelder dann in schönem Blau. Daher kommt das Sprichwort: "Ins Blaue fahren!"

Nach einer alten Bauernregel wurde dann 100 Tage nach der Aussaat geerntet. Die Flachspflanze wurde mit der ganzen Wurzel ausgerissen - gerauft. In Büscheln zum Trocknen aufgehängt. Dann musste der Flachs geriffelt werden. Das heißt, die getrockneten Pflanzenbündel wurden durch einen großen Eisenkamm gezogen, damit die Samenkapseln abfielen. Die Samen wurden dann für die weitere Aussaat oder zur Herstellung von Leinöl verwendet.

Nach dem Riffeln kam das Rotten. Die geriffelten Flachsstengel wurden in Wassergruben eingeweicht. So konnte man später die Fasern besser vom holzigen Kern der Pflanze lösen. Nach etwa einer Woche wurde der Flachs dann wieder ausgebreitet und getrocknet. Danach wurde er noch geröstet oder weiter in der Nähe von Öfen getrocknet.

Um den Holzkern entfernen zu können und an die wertvollen Fasern drumherum zu kommen, mussten die Pflanzenteilen dann gebrochen werden. Dies machte man mit der Breche. Der Flachs wurde darin eingeklemmt und so gebrochen.
Der nächste Arbeitsgang war das Schwingen. Man legte dabei die Flachsbündel über ein Brett und schlug mit dem Schwingmesser auf die überhängenden Bündel ein. Dabei wurden die weiteren Holzreste von den Flachsfasern entfernt.
Aber mit dem nun gewonnenen Flachsfasern konnte man immer noch nicht spinnen. Er muste gehechelt werden. Beim Hecheln wurden die Flachsfasern gespalten und gekämmt. Dies geschah mit Eisenkämmen, den Hecheln. Man benutzte grobe bis feine Hecheln... je nachdem, wie fein die Fasern werden sollten. Die kürzeren Fasern, Werg, wurden beim Hecheln ausgekämmt. Der Werganteil war sehr hoch. Werg wurde zu sehr groben Garnen verarbeitet.
Das so vorbereitete Flachs konnte nun zu feinem Garn gesponnen werden. Das Garn wiederum konnte zu Stoffen gewebt werden. Funde beweisen, daß diese Stoffe keineswegs immer grob und rauh waren. Schon die Kelten verstanden es, aus Flachs feinste Leinenstoffe herzustellen und mit Pflanzenfarben bunt einzufärben.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die früher so lebenswichtige Faser von der Baumwolle und dann von Kunstfasern mehr und mehr verdrängt. Heute gibt es in Deutschland leider kaum noch Flachsanbau.
Fotos vom Mittelaltermarkt-Stand Ewa Leinen
Ewa Krauze Kontakt ewalen@ol.pl
Vorführung von Flachsverarbeitung und feine Leinenkleider