Deutsches Merinoschaf

Früher war mir nicht wohl in meiner Haut, wenn ich an reine Schurwolle dachte. Denn damit assoziierte ich kratzige Pullover aus der Kindheit. Brrrrrr!

Heute weiß ich, daß es sehr unterschiedliche Schafsorten und somit auch unterschiedliche Wollarten gibt. Darunter auch Wolle, die kaum kratzt und sehr weich ist. Australische Merinoschafe haben zum Beispiel eine sehr schöne weiche Wolle, die sich sehr gut zum Filzen eignet. Ein Schaf, daß im rauen Bergklima zuhause ist, hat eine robustere und damit auch rauhere Wolle. Es kommt aber nicht nur auf die Rasse oder die Gegend an, in der die Schafe leben. Auch das Alter der Schafe, die Zeit der Schur und das Futter können ausschlaggebend für die Qualität der Wolle sein. Und natürlich auch die verschiedenen Stellen am Schaf selbst, von wo die Wolle kommt.

Leider gibt es heute in Europa kaum noch Schafe, die überwiegend als Wolllieferanten genutzt werden. Es werden fast nur noch Schafe zur Schlacht gehalten. Denn der Wollpreis ist in den letzten Jahren sehr stark verfallen. So lohnt es sich hier kaum noch, Schafe der Wolle wegen zu halten. Der Preis für ein Wollvlies deckt kaum noch die Kosten der Schur. Trotzdem werden die Schafe aus hygienischen Gründen zumindest einmal im Jahr, meist Anfang Mai, geschoren.

Fotos von der Schafschur... hier klicken

Ein Schaf bringt etwa 4 -5 kg Wolle pro Schur. Der Preisverfall der heimischen Wolle hält leider an. Früher lag der Preis pro Kilogramm Schafwolle um die 2 Euro. Heute je nach Qualität nur noch bis zu 80 Cent! Schurkosten pro Schaf liegen in etwa bei 3 Euro. Oft mehr, als der Wollerlös.
Leider werden nur etwa 5% der heimischen Wolle und etwa 95% Importwolle aus dem Ausland verwertet. Nur etwa 2% der Einnahmen ergeben sich aus Wolle und Fellverkauf.

Ich finde, daß ist eine sehr traurige Bilanz. Deshalb möchte ich alle Filzer, Handspinner und sonstige Wollverarbeiter und vor allem auch Anbieter bitten:
"Unterstützt die heimische Wollverwertung!"

Infos zu heimischen Schäfern oder Wollbetrieben bekommt man oft bei den Schafzüchterverbänden. Für Baden-Württemberg zum Beispiel hier beim Landesschafzuchtverband: http://www.schaf-bw.de

Gebt bei google einfach mal das Stichwort "Schafzuchtverband" ein...