Seide - der glänzende hauchdünne Faden aus dem Orient

Kaiserin Se-ling-schi soll im 3. Jahrtausend vor Christus im Garten die Kokons eines Falters entdeckt haben und herausgefunden haben, wie man die kostbaren Seidenfäden gewinnen kann und sie zu edlen, glänzenden Fäden verspinnen konnte.

Se-ling-schi ist die Schutzherrin der Seidenraupe und wurde sogar als deren Göttin verehrt. Bis ins sechste Jahrhundert nach Christus blieb die Seidengewinnung ein chinesisches Geheimnis. Das machte die Seide in fernen Ländern besonders kostbar und begehrenswert.

Die Chinesen waren früher kaum am Kontakt mit Fremden interessiert. Aber kostbare Geschmeide, Gewürze und andere fremdartige Handelsgüter interessierten sehr wohl die Menschen aus dem damaligen Europa. So entstand die Seidenstrasse. Ein Karawanenweg, über 10.000 Kilometer lang, der durch Sümpfe und Wüsten, über Gebirge vorbei am Himalaja in Richtung Europa führte. Die Seidenstrasse gilt als eine der ältesten Handelswege der Welt und verband das ferne und geheimniswolle China mit den Ländern am Mittelmeer.

Einer Sage nach sollen zwei Mönche im 6. Jahrhundert nach Byzanz gewandert sein. Sie hatten versteckt in ihren Spazierstöcken Samen des Maulbeerbaums und Eier des Seidenspinners geschmuggelt und so soll die Seidenraupenzucht nach Europa gekommen sein.


Seidenspinner Raupen

Maulbeerseide
ist wohl die schönste und kostbarste Seide. Der Maulbeerspinner spinnt seine Kokons besonders fein und gleichmäßig mit einem fast reinweißem Faden. Maulbeerseide hat den brilliantesten Glanz und gilt deshalb als die hochwertigste Seide.
Der Maulbeerspinner ist das Ergebnis von jahrtausender langer Zucht. Er lebt nur als Nutztier in speziellen Zuchtbetrieben. Die Raupen des Bombyx Mori fressen ausschließlich die Blätter des Maulbeerbaums. Fast einen Monat lang. In dieser Zeit wächst die Raupe bis zu 10 cm heran. Die Raupe spinnt sich dann in einen Kokon ein und verwandelt sich in eine Puppe. Diese Kokons werden in Öfen getrocknet, damit die Puppe stirbt und nicht mehr ausschlüpfen kann. Denn dadurch würde der Kokonfaden zerstört werden. Nur die Raupen für die Nachzucht dürfen als Falter ausschlüpfen.
Mit heißem Wasser werden die Kokons gebürstet, bis sich die äußeren unbrauchbaren Fäden ablösen. Ein Kokon enthält ca. 3000 m Faden, aber nur etwa 1000 m können als reale Seide abgewickelt werden. Beim Abwickeln der hauchdünnen Fäden werden mehrere Fäden zusammengefasst und gemeinsam zu einem Faden abgehaspelt. Die Seidenfäden werden noch veredelt, denn erst dann erhalten sie ihren unvergleichlichen Glanz. Dies wird durch das Entbasten getan. Durch Kochen mit Seife wird bei diesem Prozess der Seidenleim entfernt.

Tussahseide
ist gröber und die Tussahspinner (Wildseidenspinner) spinnen einen Kokon mit unregelmäßiger Struktur. Der Faden ist von gold-gelber Farbe und glänzt nicht so sehr, wie der der Maulbeerseidenspinner. Thussahspinner leben wild in großen Teilen Asiens.

Schappeseide
oder auch Florettseide genannt, wird aus den oberen Fäden oder aus kaputten Kokons gewonnen. Sie ist dicker und weniger glänzend als die Haspelseide vom Maulbeerspinner und wird wie Kammgarn gesponnen, denn sie besteht nicht aus einem einzigen ganzen Faden, sondern aus Fasern von etwa 10 cm Länge.

Bouretteseide
wird aus den kürzesten Fasern gewonnen, die als Reste bei der Schapp-Seidenproduktion anfallen. Die Bouretteseide besteht aus unregelmäßig gesponnenen Seidenresten und hat weniger Glanz. Sie ist dadurch günstiger und wird gerne in der Textilindustrie verwendet.