Spinnen mit der
Handspindel
Spinnen mit dem
Spinnrad


Seit uralten Zeiten werden Fäden mit Hilfe von Handspindeln hergestellt. Die Handspindel besteht aus dem Wirtel (Gewicht) und dem Schaft. Durch einfache Drehung der Spindel werden die feinen Schafwollfasern, Hanffasern oder auch andere tierische Haarprodukte zu einem relativ stabilen Faden verdreht, aus dem man dann Stoffe weben kann.

Zu allen Zeiten wurde mit solch einfachen Handspindeln gesponnen. Funde von Spinnwirteln belegen das seit dem Neolitikum.
Erst im späten Mittelalter, so gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Handspindel durch das Spinnrad langsam verdrängt.

 


Im späten 12. Jahrhundert kam das Spinnrad vom Orient her nach Europa. Anfangs wurde es eher missachtet, da damit anscheinend nicht die Qualität von Garnen produziert werden konnte, wie mit den vorher üblichen Handspindeln. Dies belegen verschiedene Verbote für Zünfte.

Das Spinnen mit dem Spinnrad war aber effektiver und fand bald Einzug in jeden Haushalt. Es wurde erst durch die Spinnmaschinen während der Industrialisierung langsam verdrängt.

Vorteile der Handspindel liegen auf der Hand. Sie ist klein und kann überall hin mitgenommen werden. Es ist auch beachtlich, welche Qualität die gesponnenen Fäden hatten. Dies beweisen immer wieder, leider sehr seltene, erhaltene gewebte Tuche aus allen Zeiten der Geschichte. Sehr hochwertige Gewebereste sind zum Beispiel aus dem Keltengrab von Hochdorf (um 550 vor unserer Zeitrechnung) bekannt.


Hier werde ich in Zukunft über meine Spinnversuche mit der Fallspindel berichten.... was ich jetzt schon sagen kann:

Man muss üben, üben, üben....


Meine Mama Marianne Schmid, geborene Gloger irgendwann um 1950 in der "Spinne" Spinnerei J. F. Adolff in Backnang. Dort hat sie nach Krieg und Flucht Arbeit gefunden. Irgendwie liegt das Spinnen wohl in der Familie :-)

   

Mein erstes gesponnenes Merinogarn ausm Kammzug. Kuschelweich und ich bin tierisch stolz drauf. Angefangen habe ich mit Romney im Fett, was ich für Anfänger nur empfehlen kann.

Ich bin immer noch auf der Suche nach einem günstigen schönen Spinnrad, daß auch funktionstüchtig und für Anfänger geeignet ist. Am liebsten ein Ashford Traveler oder ein Traditional. Denn dort kann man dann auch einen Jumbo-Spinnflügel mit großen Spulen nachrüsten. Vielleicht habe ich irgendwann mal bei Ebay oder sonstwo Glück....

Kommt Zeit - kommt Rad!
Es ist Oktober 2009 und ich kann sagen: Ich hab eins, ich hab eins...
Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines alten Ashford Traveller Spinnrads, das ich gebraucht erworben habe. Ein Einfachtritt, einfädig. Ich bin so glücklich. Das Spinnen läuft super. Fast wie von selbst. Ich komme prima mit dem Rädchen zurecht.
Vor allem wohl, weil mein ehemaliger Kollege Fritz Escher das Rad super gerichtet hat. Es läuft wie geschmiert.


Das Herstellen von Garnen aus tierischen und planzlichen Fasern ist ein uraltes, meist von Frauen ausgeführtes Handwerk. Um das Spinnen ranken sich sehr viele Sagen und Märchen. Dornröschen sticht sich an einer Spindel und verfällt dem 100jährigen Schlaf, die arme Müllerstocher im Märchen vom Rumpelstilzchen soll aus Stroh Gold spinnen. Schiksalsgöttingen, wie die Moiren der griechischen Mytologie oder die Nornen der Germanen sponnen den Lebensfaden. Wurde er von einer Norne durchtrennt, dann bedeutete dies das Ende des Lebens.

Bis zur Industrialisierung war jeder Haushalt auf das Spinnen angewiesen. Denn es gab keine Läden, in denen man Stoffe für die Kleidung kaufen konnte. Man musste die Garne zum Weben von Tuchen selber herstellen und verarbeiten. Alte Spruchweisheiten wie "Willst leben, musst weben" beweisen die Wichtigkeit der Textilkunst. "Spinnen am Morgen, Kummer und Sorgen. Spinnen am Abend, erquickend und labend" bezieht sich nicht etwa auf Spinnentiere, sondern auf das Spinnen von Wolle oder Flachs.

 
Zeitungsbericht vom "Winterbacher Blättle" 2006
Kleine Spinnvorführung im Kindergarten Winterbach

Ein wunderschöner Nachmittag, der sehr viel Spaß gemacht hat. Zwei Kindergartengruppen lernten viel über Schafe, Wolle, Spinnen und Weben. Und zum Schluss haben alle zusammen das Dornröschenlied gesungen. Klick auf die Überschrift für den Zeitungsbericht...
 

Dornröschen und die Folgen  - Gedankengänge beim Spinnen

Seit ein paar Wochen habe ich endlich ein Spinnrad und das Spinnen von Wolle und Seide macht mir sehr viel Spaß. Das Spinnen wurde mir schon immer von vielen Handspinnern als sehr entspannend, ja fast schon meditativ geschildert.  Und ich muss sagen, es stimmt. Beim Arbeiten am Spinnrad kann man seine Gedanken fliegen lassen und das gleichmäßige Schnurren und das sich drehende Schwungrad sind wirklich sehr entspannend.

Während die Schafwolle durch meine Finger fließt und vom Rädchen geschluckt wird kreisen meine  Gedanken oft um alte Märchen, in denen ja sehr oft das Spinnen vorkommt. Das bekannteste ist wohl Dornröschen. Am Anfang saß ich freudig am neuen Spinnrad und dachte: „Juhuu ich hab ein eigenes Spinnrad! Ich bin Dornröschen!“ Aber schon gleich nach dem Gedanken kam mir in den Sinn, dass Dornröschen ja eigentlich niemals gesponnen hatte. Also gut, dachte ich, dann bin ich eben die dreizehnte Fee. Das passt ohnehin viel besser zu mir. Auf den meisten Bildern ist diese missverstandene Fee schwarz gekleidet. So wie ich. Die dreizehnte Fee tat mir als Kind schon immer leid. Ich hatte schon damals gewusst, dass sie nicht böse war. Nur missverstanden.

Sie wurde nicht auf die Taufe von Dornröschen eingeladen. Wegen der fadenscheinigen Ausrede, es gäbe ja nur zwölf goldene Teller. Das war gemein. Als dreizehnte Fee hätte ich auf dem schönen Fest sicher auch von einem Holzteller gegessen. Kein Problem! Dabeisein ist alles. Nun war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass die Dreizehnte stinke sauer war. Alle durften auf die Party, nur sie nicht. Schon ziemlich fies vom Königspaar.

Da war es dann auch nicht verwunderlich, dass die dreizehnte Fee das Dornröschen verfluchte. An ihrem fünfzehnten Geburtstag sollte sich das Kind an einer Spindel stechen und tot umfallen. Ich geb zu, da hat sie ein wenig überreagiert. Aber sie war halt nun mal voll gekränkt. Die Feen Nummer eins bis zwölf linderten dann den Fluch und meinten: „Kein Tod soll es sein, nur ein 100jähriger Schlaf.“

Was dann kam, ist schon echt schlimm. Der König ließ im ganzen Land alle Spinnräder und Spindeln verbrennen. Keiner durfte mehr spinnen. Aber was das dann bedeutet hatte, davon wird in dem Märchen kein Wort drüber verloren. Ein ganzes Königreich und keiner durfte mehr Wolle oder Leinen spinnen. Das muss ganz schön hart gewesen sein. Nicht für die Reichen. Klar haben der König und die Königin sicherlich edle Stoffe aus dem Ausland importiert. Aber was war mit der armen Bevölkerung auf dem Lande? Sie konnten kein Garn mehr herstellen und so hatten sie auch bald schon nichts mehr anzuziehen. Klar versuchten sie sicherlich, ihre Kleidung zu flicken. Aber was, wenn man kein Garn zum Flicken mehr hat? Was war mit den Webern und den Färbern? Da müssen ganze Gewerbezweige zusammengebrochen sein damals. Eine Wirtschaftskriese quasi. Ausgelöst nur dadurch, das es im Königshaus nicht genügend goldene Teller gegeben hatte. Das muss man sich mal vorstellen!
Ich lasse meine Gedanken weiter kreisen wie das Rad, das sich dreht und dreht und dreht…

Wie kann sich das Dornröschen eigentlich die Finger an einem Spinnrad stechen? Da ist irgendwie nichts Spitziges dran. Eine Frage, die ich mir schon als kleines Kind immer gestellt hatte. Heute weiß ich, dass es eine Handspindel gewesen sein musste.  Dornröschen wird also endlich fünfzehn Jahre alt  und an ihrem Geburtstag kommt sie an einen Turm, den sie nie unverschlossen gesehen hatte. Aber heute stand die Türe weit offen. Neugierig, wie alle Mädchen sind stieg sie die Wendeltreppe zum Turmzimmer hinauf. Dort oben saß eine alte Frau und spann. Neugierig fragte sie die alte Frau: „Was tust du da?“ Klar, das Mädel in ihrem schicken importierten Seidenkleidchen hatte ja noch nie sowas gesehen.  „Ich spinne!“ antwortete die alte Frau. „Was ist das für ein lustiges Ding, das da so auf und ab hüpft?“ Wieder frage ich mich, was an einem Spinnrad auf und ab hüpft. Und wieder komme ich auf die Handspindel. Es kann einfach nur eine Handspindel gewesen sein!

Es kommt natürlich, wie es schon immer kommen musste. Prinzesschen sticht sich den Finger an der Spindel und fällt in den langen hundertjährigen Schlaf. Ich denke mal, dass die dreizehnte Fee da erst mal überrascht und dann ganz schön sauer war. Hatten die anderen ach so tollen Feen, die immer von goldenen Tellern essen durften und auf jeder Party gerne gesehen waren tatsächlich ihren Plan durchkreuzt. Mist!
Aber nun gut. Nach fünfzehn Jahren war auch die Wut und Enttäuschung der Dreizehnten verraucht und sie hat sich vermutlich still verkrümelt. Was aus ihr geworden ist wird ja in dem Märchen auch nie erzählt. Ist vielleicht dann auch eine ganz andere Geschichte.
Schon verrückt, was einem so alles für Gedanken an einem Spinnrad kommen. Vielleicht wird mir dabei in Zukunft auch noch einfallen, was aus ihr geworden ist….

Liebe Grüße von der dreizehnten Fee, ähhhh von Cerid


Alexander Zick um 1890